24 Stunden Nürburgring: Felix Baumgartner der Furchtlose?

Felix Baumgartner 24 Stunden Nürbrugring 2014

Felix Baumgartner vor dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. (Foto: Wolfgang Savelsbergh)

Ich will ehrlich sein: „Noch ein Promi, der seinen Status ausnutzt, um in das Cockpit eines Rennwagens zu steigen. Und dann sucht er sich gleich einen Boliden aus der GT3-Königsklasse aus – das kann nur schiefgehen.“ Das war mein erster Gedanke, als ich erfuhr, dass Stratosphären-Springer Felix Baumgartner bei den 24 Stunden Nürburgring an den Start gehen will. Am vergangenen Wochenende habe ich den extremsten aller Extremsportler getroffen und seinen Einsatz in der Eifel miterlebt…

„Komm schnell mit, da ist Felix!“, rief mir ein Audi-Sprecher beim traditionellen Treffen mit den Fahrern in der Hospitality der Ingolstädter zu. Der Österreicher trat soeben durch die Tür und fiel mit seiner roten Teamjacke im Gedränge der Audianer und Medienmenschen kaum auf. Ich streckte dem Motorsport-Novizen meine Hand entgegen und erhielt als Dank einen äußerst kräftigen Händedruck. „Hi, Felix“, sagte er kurz und bündig. Dabei schaute er ungeduldig nach links und rechts auf der Suche nach einer Sitzgelegenheit. Am hinteren Ende des Raumes, etwas abseits des Trubels, wurde er fündig und erklärte den runden Tisch zum Interviewplatz.

Felix Baumgartner und die Herausforderung 24 Stunden Nürburgring

Eine weitere Journalistin nahm links von Baumgartner Platz. „Passt das für Euch, wenn ich in der Mitte sitze?“, fragte der ehemalige Base-Jumper. Eine nette Geste. Ich habe seine Karriere bislang nicht intensiv verfolgt und mich auch nicht sonderlich für die waghalsigen Aktivitäten des Adrenalinjunkies interessiert, aber auf den ersten Blick fiel auf, wie fit der 45-Jährige ist. Sein Brustumfang könnte so manches Playmate erblassen lassen, die brauchen wohl auch weniger Muskeln. Ein echter Vollblut-Athlet mit durchdringendem Blick und selbstbewusstem Auftreten saß da neben mir. Er war freundlich, wirkte jedoch stets etwas unter Strom.

Audi R8 LMS ultra von Felix Baumgartner auf der Nordschleife

Der rund 570 PS starke Audi R8 LMS ultra von Felix Baumgartner, Marco Werner, Frank Biela und Pierre Kaffer. (Foto: Audi Motorsport)

„Ich glaube, dass nahezu jede Aufgabe zu schaffen ist, wenn die Vorbereitung passt“, sagte der Mann überzeugt, für den Fallschirmsprünge langweilige Routine sind. „Mit sportlichen Herausforderungen und großer Geschwindigkeit habe ich kein Problem.“ Kein Wunder nach seinem über 1.300 km/h schnellen Sturz aus 40.000 Metern Höhe, den er 2012 medienwirksam zusammen mit seinem Hauptsponsor Red Bull inszeniert hatte. Natürlich zierte das Logo des Energy-Experten Baumgartners Shirt. Ansonsten war von den „Roten Bullen“ am Ring nicht viel zu sehen.

Felix Baumgartner: „Ich lerne gerne von Älteren“

Anfang März dieses Jahres verkündete Audi die Neuigkeit: Baumgartner startet beim 24-Stunden-Rennen. „Diese Aufgabe zähle ich zu den größten Projekten in meinem Leben“, sagte er damals.  Innerhalb von drei Monaten lernte er, den 570 PS starken V10-Renner Audi R8 LMS ultra zu bändigen. Dabei halfen ihm das Coaching-Programm von Audi namens „Race Experience“ und der ehemalige Rallye-Profi Josef „Sepp“ Haider, der unter anderem die Lizenzlehrgänge der Ingolstädter betreut. „Sepp hat mir sehr geholfen, genauso wie  meine super Teamkollegen. Ich bin sehr dankbar, mit ihnen diese Aufgabe in Angriff nehmen zu können“, so Baumgartner vor dem Start des Traditionsrennens in der Eifel. Im Cockpit des GT3-Monsters mit der Startnummer „502“ wechselte er sich mit den Langstreckenexperten Pierre Kaffer, Marco Werner und Frank Biela ab.

Felix Baumgartner und Sepp Haider

Baumgartner konnte viel von seinem Landsmann Sepp Haider lernen. (Foto: Audi Motorsport)

„Ich lerne gerne von älteren Personen, vor denen ich natürlichen Respekt habe. Mit einem jungen Hüpfer hätte ich mehr Schwierigkeiten gehabt“, gesteht der gebürtige Salzburger. „Denn ich glaube, dass Erfahrung durch nichts zu ersetzen ist – egal ob auf der Rennstrecke oder im alltäglichen Leben. Wobei die Nordschleife ganz sicher in jeglicher Hinsicht extrem ist.“ 73 Kurven, steile Anstiege, rasante Abfahrten und unberechenbare Witterungsverhältnisse zeichnen die Grüne Hölle aus. Und wer die 25 Kilometer lange Kombination aus Grand-Prix-Kurs und Nordschleife in deutlich unter neun Minuten hinter sich bringt, muss ebenfalls extrem sein. Baumgartner fuhr in seinem letzten Renn-Stint ungefähr 8.40 Minuten – die Spitze war rund 20 Sekunden schneller.

„Aber hier darfst du dich niemals vollkommen sicher fühlen. Die Nordschleife ändert sich kontinuierlich – Ecken, die in einer Runde mit Vollgas gehen, können dich im nächsten Umlauf schon von der Strecke werfen“, erklärte der Audi R8-Pilot und plötzlich wirkte der furchtlose Felix etwas kleinlaut. „Vor allem im Regen will ich kein Risiko eingehen. Da habe ich noch viel zu wenig Routine, um das Auto am Limit zu bewegen.“ Natürlich passiert es dann auch, dass langsamere Fahrzeuge im Regen dem Extremspringer seine Grenzen aufzeigen und vorbeiziehen. „Das schmerzt natürlich! Aber es ist okay. Schließlich wissen viele der Jungs in kleineren Autos auch, was sie hier tun. Das respektiere ich.“

Felix Baumgartner 24 Stunden Nürburgringn 2014

Der Extremsportler fuhr am Samstagabend in die Dämmerung hinein. (Foto: Audi Motorsport)

Schließlich erzählte Felix Baumgartner noch eine amüsante Anekdote: „Vergangene Woche habe ich meinen Bootsführerschein gemacht. Beim Einparken hatte ich jedoch meine Schwierigkeiten. Da greift plötzlich meine 60-jährige Lehrerin ins Lenkrad und zack, zack  stand das Boot so wie gewünscht. Erfahrung ist wirklich unersetzlich!“

Schön, wenn ein Mann, der aus dem Weltall gesprungen ist, auf dem Boden bleibt. Auch seine Einstellung, dass nahezu alles erlernbar ist, gefällt mir. Allerdings dürften bei Felix Baumgartner die Zeit und das Geld kaum eine Rolle spielen, wodurch er sich sicherlich besser auf die 24 Stunden Nürburgring vorbereiten konnte als die meisten anderen Fahrer. Aber er hat es geschafft: Nach 1.440 schweißtreibenden Minuten überquerte sein Audi Nummer „502“ sogar in den Top Ten den Zielstrich. Mit Platz neun erreichte der Nürburgring-Neuling sein Ziel, unter die besten Zehn zu fahren.

Felix Baumgartner 2014 24 Stunden Nürburgring

Cool bis zum Schluss – Felix Baumgartner: „I`m going home now!“ (Foto: Christoph Kragenings)

Ich weiß, wie schwierig die Nordschleife ist und kann mir kaum vorstellen, wie sich beispielsweise die Fuchsröhre mit 270 km/h im GT3-Audi anfühlt. Selbst im kleinen Renault Clio wirken dort 200 km/h bereits dramatisch schnell. Darum: Gratulation, Felix! Außerdem überzeugte mich der Himmelsstürmer im Gespräch mit technischem Knowhow und viel Liebe zum Detail. Es war sicherlich nicht sein letzter Rennstreckenbesuch: „Eine tolles Abenteuer könnte auch Le Mans in einem GT-Auto sein“, spekuliert der 24-Stunden-Bezwinger.

 

 

 

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