24h Classic 2015: Im Opel Kadett E GSI auf der Nordschleife

Christoph Kragenings 24h Classic 2015

Bei strahlendem Sonnenschein macht das Rennfahren noch mehr Spaß. (Foto: Savelsbergh)

Jubelnde Fans, winkende Streckenposten und verlockender Grillgeruch: Im Rahmenprogramm des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring konnte ich die Faszination des Eifelklassikers zum ersten Mal live auf der Strecke erleben. In einem kleinen roten Opel Kadett E GSI, der sich drei Stunden lang tapfer durch das PS-starke Feld der 24h Classic kämpfte.

Aber fangen wir ganz von vorne an. Am Donnerstag vor dem „großen“ 24er stand das Zeittraiming der Young- und Oldtimer auf dem Programm. Meine Teamkollegen von Nord-Eifel-Competition Andreas und Patrick starteten in einem Peugeot 309 GTI, ich nahm im Opel Kadett GSI Platz. Beide Autos sind nach Gruppe-N-Reglement aufgebaut und fahren in derselben Klasse bis zwei Liter Hubraum.

Christoph Kragenings 24h Classic 2015

Den Linefinder entdeckte ich 2014 beim 24-Stunden-Rennen durch Zufall. (Foto: privat)

Ich startete auf meine erste Runde, um das Auto zu testen. Zum ersten Mal auch mit dem Linefinder – einem Armband extra für Rennfahrer – ausgerüstet. Ein schickes Accessoire wie ich finde. Nach der 25 Kilometer langen Kombination aus  Nürburgring-Grand-Prix-Strecke und Nordschleife kam ich zurück an die Box, um den Reifenluftdruck checken zu lassen – alles war in Ordnung, die Dunlop-Slicks funktionierten gut.

Ich gab in der zweiten Runde mehr Gas und scheuchte den 130 PS starken Youngtimer mit mehr als 200 km/h über die schnellen Abschnitte Schwedenkreuz und Döttinger Höhe. Als ich zurück auf die Start-Ziel-Gerade fuhr, der Schock: Das Lenkrad stand plötzlich schief. Ich ließ den Opel über den Zielstrich rollen und nahm Tempo raus. Kurz vor der Spitzkehre hatte ich plötzlich das Lenkrad komplett in der Hand. Also blieb ich auf dem Grünstreifen links neben der Strecke stehen. Ein Safetycar schleppte mich in Richtung Fahrerlager, das ich glücklicherweise noch aus eigener Kraft erreichen konnte – wenn man fest das Lenkrad auf die Lenksäule drückte, funktionierte die Lenkung noch. Am Zelt stellte sich heraus, dass sich eine Mutter gelöst hatte.

Nach schneller Reparatur kehrte ich ins Zeittraining zurück. Mehr als eine weitere Runde war aber nicht drin, weil die Bremsbeläge vorn sich verkeilt und ungleichmäßig abgenutzt hatten. Naja, immerhin reichte meine 12.07 Minuten aus dem zweiten Umlauf zu Platz drei in der Klasse. Es konnte nur besser werden, hoffte ich.

Christoph Kragenings 24h Classic 2015

Gino Kruhs in einer für ihn komplett neuen Rolle: als Renningenieur. (Foto: privat)

24h Classic: Drei Stunden alleine im Opel-Cockpit

Am Freitagmorgen regnete es in der Eifel, aber der Wetterbericht ermutigte mich, fest an die Slicks zu glauben. Und siehe da: Als sich das hochkarätige Feld aus Porsche, BMW und weiteren Autoklassikern auf den Weg zur Startaufstellung machte, brannte die Sonne vom blauen Himmel herab. An meiner Seite war dann auch schon Gino Kruhs. Gino ist Bergrennfahrer und Rallye-Co-Pilot und besuchte das 24-Stunden-Rennen mit seiner Familie und Freunden. Gleichzeitig übernahm er aus Spaß zum ersten Mal die Rolle als Renningenieur – so gut unsere beschränkten Mittel dies zuließen. Er begleitete mich in die Startaufstellung und verfolgte das Rennen vom Kommandostand der Falken Motorsport-Mannschaft aus. Per GPS konnte er dort genau verfolgen, wo ich mich befand.

Christoph Kragenings 24h Classic 2015

Am Limit: Mehr als eine 12.05 Minuten im Rennen war für mich nicht drin. (Foto: Savelsbergh)

Meinen ersten fliegenden Start auf dem Nürburgring bekam ich gut hin. Ich wollte mich zu Beginn des Rennens aus allen Scharmützeln raushalten. Mein Teamkollege huschte auf der Grand-Prix-Strecke an mir vorbei, aber auf der Nordschleife konnte ich ohne Probleme folgen. In Runde zwei war ich dann wieder vorn und blieb es auch bis zum Ende. Allerdings merkte ich nach drei Umläufen plötzlich, dass die Bremse stark nachließ. Am Schwedenkreuz zeigte der Digitaltacho des Kadett E GSI 207 km/h an, als der Tritt auf das mittlere Pedal ohne Folgen blieb. Schnell pumpte ich nach, bis etwas Bremsdruck da war. Im Bergwerk wiederholte sich die Situation. Fortan tippte ich die Bremse rechtzeitig vor jeder härteren Kurve an, um die Beläge an die Scheibe zu legen. Was das Problem war, weiß ich noch nicht.

Dieser Zustand hielt bis zum Schluss – nach insgesamt 14 Runden – an. Das weiche Bremspedal und eine Ölspur hätten mich sogar in letzter Sekunde fast noch das Rennen gekostet. In der Auffahrt zur Nordschleife rutschte ich mit blockierenden Rädern geradeaus und verpasste den Reifenstapel um wenige Zentimeter. Daraufhin ließ ich es ganz ruhig angehen und kutschierte den Opel sanft über die Ziellinie. Das Fazit: Ich konnte zwei direkte Gegner hinter mir lassen. Mein erstes Drei-Stunden-Rennen war vorbei, ich komplett durchgeschwitzt, aber überglücklich.

Christoph Kragenings 24h Classic 2015

David gegen Goliath: Die Gegner waren meist deutlich stärker. (Foto: Savelsbergh)

Zum ersten Mal Teil des 24ers zu sein, war ein unbeschreibliches Gefühl. Und mir war es egal, dass der Kadett mit Abstand zu den schwächsten Autos im Feld gehörte – es war eine Freude, Porsche 935k, 911 RSR, BMW M1 und M3, Mercedes 190E etc. im Einsatz zu sehen. Im Cockpit waren alle privaten Sorgen und sogar die Probleme rund um den Nürburgring vergessen. Und mein Ziel war es nur, das Ziel zu erreichen. Schließlich wurde mein Gesamtplatz 92 von 155 Startern und der zweite Klassenrang mit einem Pokal belohnt. Mehr ging nicht.

 

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2 Antworten auf 24h Classic 2015: Im Opel Kadett E GSI auf der Nordschleife

  1. Thomas Waebs sagt:

    Prima beschrieben, und ECHTER Motorsport zum „mitfühlen“.
    Langsam wundert es niemanden mehr,
    dass der historische Motorsport immensen Zulauf erfährt.
    Diese überzüchteten Geldverbrennungs-Serien fallen weiter ab.
    Schade, dass niemand in der Lage scheint, die eskalierenden Dinge
    rund um den Nürburgring zu begreifen, und aufzuhalten.
    Selbst DMSB und ADAC wirken hier wie Mittäter.
    Macht IHR bloss weiter so !
    See you at NÜRBURGRING *
    Flotten Gruss aus Hellenthal ……….

  2. Vielen Dank :)

    Würde mich freuen, wenn wir uns da mal sehen!

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