Fahrbericht: Renault Mégane RS 275

Megane Renault Sport

Für die besonders dynamischen Renault-Modelle zeichnet die Sportabteilung verantwortlich. (Foto: C.Kragenings)

Ins Auge springen sirius-gelber Lack mit Perlmutt-Effekt und mattschwarze 18-Zoll-Leichtmetallfelgen samt klangvollem Namen „Orkan“. Etwas klobig steht er da, seine sportlichen Absichten sind dennoch unverkennbar: der Renault Mégane RS – 273 PS verpackt in französische Kompaktform. Ein Fahrbericht.

Renault Clio 3 RS Nürburgring Nordschleife

Kleine Krawallbüchse: Der Clio 3 RS ist ein vorbildlicher Kurvenräuber – dafür fehlt ihm auf Geraden etwas Schub. (Foto: RingMoments)

Vor gut einem Jahr bin ich unter die Renault-Fahrer gegangen. Ein Renault Clio 3 RS sollte es sein: 2,0-Liter-Saugmotor, 201 PS und Sechsgang-Handschaltung – das alles in einem Kleinwagen verspricht Fahrspaß pur. Das kann ich nach gut 15.000 Kilometern und einigen Ausflügen auf die Nürburgring-Nordschleife nur bestätigen.

Renault Megane RS 275

Bullige Optik: Der Mégane RS tritt mit breiten Schultern sehr potent auf. (Foto: C.Kragenings)

Mégane RS: der Bodybuilder von Renault

Mit dem Clio bin ich vollkommen zufrieden, aber im Hinterkopf schweben Gedanken zukünftig, aus dem Kleinwagensegment in die Kompaktklasse aufzusteigen. Und bei Renault heißt die sportlichste Möglichkeit: Mégane RS. Darum habe ich mich besonders auf die Testfahrt mit dem aufgepumpten Franzosen gefreut. Aber Achtung: der Name des 2,0-Liter-Vierzylinderturbos täuscht – der TCe 275 hält nicht, was er verspricht. Denn effektiv stemmt er „lediglich“ 273 PS (201 kW) an der Vorderachse. Wo die zwei fehlenden PS geblieben sind, bleibt wohl ein Geheimnis von Renault Sport.

Zwei PS hin oder her: Schlecht kann der Mégane RS nicht sein, denn am Nürburgring versammelt sich gefühlt jedes Wochenende eine Horde von diesen Kompakt-Bodybuildern, um Porsche und Co. zu jagen. Immerhin halten die dynamischen Fähigkeiten, was die potente Optik mit dicken Radhäusern und breiten Lufteinlässen verspricht: Das optionale Cup-Fahrwerk samt mechanischer Differantialsperre (1.500 Euro Aufpreis) ist spürbar auf Dynamik ausgelegt, trotzdem bleibt ein gewisser Restkomfort.

Der Turbomotor hat Druck in nahezu jeder Lebenslage und zieht selbst in höheren Gängen freudig aus tiefen Drehzahlen hoch bis zur 6000er-Marke. Mit diesem Triebwerk ist der Mégane Dauergast auf der linken Autobahnspur – VMax: über 250 km/h. Die Kuppplung tritt sich straff, das manuelle Getriebe schaltet sportlich durch die sechs Schaltgassen.

Nachteil: Wer das volle Drehzahlband ausreizt und dem Turboaggregat volle Leistung abverlangt, der erntet Momentanverbräuche von weit über 20 Litern. Bei sportlicher Fahrweise sind mit dem 60-Liter-Tank so lediglich Reichweiten von rund 400 Kilometern drin – der Normverbrauch von 7,5 Litern auf 100 Kilometern liegt jenseits der Realität. Vorteil: in 6,0 Sekunden sprintet der Kompaktsportler auf Tempo 100. Dabei pressen bis zu 360 Newtonmeter mit angenehmer Vehemenz die Mégane-Passagiere in die Sportsitze – für 1.4000 Euro sind noch passgenauere Recaro-Schalen erhältlich. Sichere Verzögerung garantieren Brembo-Bremsen inklusive 340-Millimeter-Scheibenan an der Vorderachse , hinten sind 290er-Teller montiert.

Renault Megane RS 275

Markanter Hintern: Das mittige Auspuffrohr ist Erkennungsmerkmal des RS. (Foto: C.Kragenings)

Gleichzeitig zaubert der Sound Autofans ein Grinsen ins Gesicht: satter Klang aus dem Motorraum begleitet von herrlichem Turbopfeifen. Und bei Gaswegnahme brabbelt der Vierzylinder herzhaft aus dem mittig in der Heckschürze positionierten Endrohr. Da kommt Motorsportflair auf. Aber: Verglichen mit dem 2,0-Liter-Sauger des Renault Clio 3 RS klingt der Mégane hörbar braver. Sein kleiner Bruder macht akustisch mehr an.

Renault Megane RS

RS-Monitor: nette Spielerei, oder unnötiger Schnickschnack? Das muss der Mégane-Fahrer entscheiden. (Foto: C.Kragenings)

Dafür wirkt der Innenraum des Mégane deutlich hochwertiger – Lederelemente und sauber vernähte Ziernähte tragen ihren Teil dazu bei. Auf Spielereien wie den RS-Monitor, der unzählige Features wie einen G-Kraft-Sensor, Beschleunigungs-App, Stoppuhr und Ladedruckanzeige bereithält, kann ich allerdings verzichten. So bleiben 300 Euro mehr im Portmonnaie.

A propos: Den Grundpreis für den 273 PS starken Mégane RS legt Renault bei 27.950 Euro fest. Der Clio 3 RS kostete vor vier Jahren 5.000 Euro weniger. Zum Vergleich: der aktuelle RS-Clio ist ab 23.950 Euro erhältlich.

Fahrbericht-Fazit: Der Mégane RS ist ein echter Sportler zu einem fairen Preis. Der Vortrieb macht Laune, aber mir fehlt der gewisse Kick. Außerdem erweist sich der hohe Spritverbrauch in der Praxis als lästig – und mal ganz ehrlich: zum Spritsparen ermutigt dieser Renault wirklich nicht. Deswegen bleibe ich vorerst dem Clio treu, der mit zirka 10,5 Liter Durchschnittsverbrauch sparsamer ist. Zudem ist das kleinere RS-Modell etwas übersichtlicher als sein großer Bruder und damit angenehmer im alltäglichen Stadtverkehr. Dennoch kann ich jeden Mégane-Piloten verstehen und wünsche weiterhin viel Spaß mit dem Turbo-Franzosen.

Renault Megane RS

Hingucker: Das Design ist Mégane-typisch eigenständig und fällt auf. (Foto: C.Kragenings)

Technische Daten Renault Mégane RS

Motor: Reihen-Vierzylinder, Turbolader, 1.998 ccm
Leistung: 201 kW (273 PS) / 360 Nm
Antrieb: Frontantrieb, manuelles Sechsganggetriebe
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 6,0 s
Höchstgeschwindigkeit: 254 km/h
Abmessungen (l/b/h): 4,30 m/1,85 m/1,44 m
Gewicht: 1.454 kg
Grundpreis: 27.950 Euro

 

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