WEC 2015: Porsche und die Cinderella-Story in Le Mans

Porsche 919 Hybrid Le Mans 2015

Doppelsieg: Die Startnummer 19 und die Startnummer 17 trennte im Ziel eine Runde. (Foto: Porsche)

Die 24 Stunden von Le Mans: ohne Frage das größte Autorennen der Welt. Und in diesem Jahr hatte ich zum ersten Mal das Glück, dabei sein zu dürfen. Zwölf Monate nachdem Porsche erstmals in der LMP1-Klasse an den Start ging. 2015 starteten die Zuffenhausener mit ihrem 919 Hybrid den zweiten Versuch in Le Mans und verheimlichten nicht ihre Absichten, den ersten Gesamtsieg nach 17 Jahren einzufahren. Aus diesem Grund brachte der Sportwagenbauer bei der 83. Le-Mans-Auflage drei Prototypen an den Start – zwei Autos mit der Stammbesatzung und ein Fahrzeug mit drei Newcomern …

Neben Brendon Hartley, Timo Bernhard und Mark Webber in der roten Startnummer 17, gingen Neel Jani, Marc Lieb und Romain Dumas mit dem schwarz lackierten Porsche 919 Hybrid Nummer 18 an den Start. In Le Mans hatte Porsche außerdem einen dritten Hybrid-Prototypen für Nico Hülkenberg, Earl Bamber und Nick Tandy im Gepäck. Das weiße Aut0 mit der Nummer 19 war erstmals bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) in Spa dabei.

Schnelle Porsche 919 Hybrid trumpfen in Le Mans auf

Porsche 919 Hybrid Neel Jani Le Mans

Polesetter: Neel Jani musste auf seiner schnellen Runden einige langsamere Fahrzeuge überholen. (Foto: Porsche)

Bereits im freien Training stellte Porsche eindrucksvoll unter Beweis, dass die 2015er-Generation des 919 Hybrid extrem schnell ist. Die Konkurrenz von Toyota und Audi hatte das Nachsehen. Allerdings machten die Ingolstädter deutlich, dass sie weniger auf Bestzeiten abzielten und sich verstärkt auf Longruns konzentrierten. So war es nach den Qualifying-Sitzungen nicht verwunderlich, dass Porsche die Plätze eins, zwei und drei für sich beanspruchte. Dabei stach Neel Janis Fabelzeit von 3.16,887 Minuten heraus – er stellte den bis dahin für die 13,629 Kilometer lange Streckenvariante bestehenden Qualifyingrekord aus dem Jahr 2008 ein (Peugeot, 3.18,513 Minuten). Aber auch die LMP1-Rookies Hülkenberg, Tandy und Bamber bewiesen mit konstant schnellen Runden, dass sie zurecht in der Königsklasse an der Sarthe starteten. Sie eroberten Startplatz zwei hinter der Nummer 17.

Porsche 919 Hybrid pit stop Le Mans 2015

Boxenstopp für die Nummer 17: Die Porsche-Boxencrew glänzte mit fehlerfreier Leistung. (Foto: Kragenings)

Das Rennen begann spannungsgeladen. An der Spitze kämpften die drei Audi R18 e-tron quattro und die drei Porsche 919 Hybrid um die vorderen Plätze. Die Toyota TS040 Hybrid reihten sich etwas abgeschlagen dahinter ein. Zu Beginn übernahm die Startnummer 17 mit Timo Bernhard die Führung. Sie wurde allerdings am Ende des ersten Renndrittels durch eine einminütige Stop-and-Go-Strafe auf Platz vier zurückgeworfen. Dennoch schob sich der rote Prototyp mit Hartley, Webber und Bernhard noch bis auf Platz zwei nach vorn.

Die Besatzung des dritten Porsche 919 Hybrid mit der Nummer 18 hatte ein vergleichsweise schwieriges Rennen. Pole-Mann Neel Jani verlor kurz nach dem Start die Führung an Timo Bernhard, phasenweise kämpften die Fahrer mit der sensiblen Bremsstabilität ihres Autos, und zwei kleinere Ausritte erschwerten den Vorwärtsdrang zusätzlich. So rutschte beispielsweise Romain Dumas in einen Reifenstapel. Daraufhin wurde die Fahrzeugfront des schwarzen 919 Hybrid gewechselt.

Podium Le Mans 2015

Mitten drin: Der Blick auf das Siegerpodium. (Foto: Kragenings)

Die Nummer 19 schaffte es, sich aus sämtlichen Scharmützeln herauszuhalten. Besonnen und schnell fuhren Nick Tandy, Earl Bamber und Nico Hülkenberg den 24-Stunden-Marathon. So lag plötzlich diese Rookie-Besatzung in Führung. Weder Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg – der als Start- und Zielfahrer die emotionalsten Momente des Rennens aus der Cockpitperspektive erleben konnte – noch Earl Bamber wiesen zuvor Le-Mans-Erfahrung auf. Nick Tandy hatte immerhin bereits zwei 24-Stunden-Rennen in Le Mans für Porsche in der GT-Klasse absolviert. Nach einem fehlerfreien Rennen jubelte das Trio verdient über den Sieg beim Klassiker in Le Mans. Bamber, Tandy und Hülkenberg starteten als Außenseiter und beendeten dieses Motorsportkapitel in bester Cinderella-Manier.

Porsche Le Mans 2015

Kommandostände: Ein Blick in die Boxengasse. (Foto: Kragenings)

Für mich war dieses Rennen ein ganz besonderes Erlebnis. Ich konnte hautnah dabei sein, wie Porsche den 17. Le-Mans-Gesamtsieg einfuhr – 17 Jahre nach dem letzten Triumph an der Sarthe. Nur ein Sieg der Nummer 17 hätte dieses Rennwochenende absolut perfekt gemacht. Aber wir sind ja nicht im Märchen …

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