WRC 2013: Der VW Polo R WRC bei der Rallye Deutschland

VW Motorsport Polo R WRC Test Deutschland Rallye

Böse breit und hell erleuchtert: Der Polo R WRC hat nichts mit dem gleichnamigen Straßenmodell zu tun

Heute Mittag ist der neunte Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft WRC 2013 am Kölner Dom gestartet. Für Volkswagen Motorsport ist es das Heimspiel in Deutschland und bereits in der Debütsaison liegt die VW-Equipe an der WM-Spitze. Wenn alles optimal für das in Hannover ansässige Team läuft, kann Star-Pilot Sébastien Ogier bereits an diesem Wochenende den Titel holen. Und um perfekt auf die Asphalt-Rallye rund um Trier vorbereitet zu sein, hat das Team den VW Polo WRC im Vorfeld ausgiebig getestet. Völlig unaufgeregt: In Mitten eines kleinen Wäldchens schlug die Mannschaft ihr Lager auf und nebenan auf der Parkbank picknickte eine Familie während der Polo auf die Strecke rollte.

Sébastien Ogier VW Motorsport

VW-Pilot Sébastien Ogier hat als Tabellenführer der Rallye-WM allen Grund zur Freude

Neben Ogier griffen auch die anderen beiden Fahrer Andreas Mikkelsen und Jari-Matti Latvala in das Steuer des 315 PS starken Polo. Als ich vor Ort war, testete jedoch gerade der Tabellenführer Ogier auf einem rund 3,5 Kilometer langen abgesteckten Rundkurs aus abgesperrten Feldwegen in der Nähe von Trier.

VW Polo R WRC: Vorbereitung ist die halbe Miete

„Es geht darum, das Auto auf die Vollgas-lastige Rallye Deutschland vorzubereiten“, erklärte mir ein Motoreningenieur von VW Motorsport. Um Kosten zu sparen, darf jeder Fahrer lediglich drei Motoren pro Saison einsetzen, daher wird im Laufe des Saison genau taktiert, wann ein neues Triebwerk eingebaut wird. Das Herzstück ist übrigens ein turboaufgeladener 1,6-Liter-Motor, der sogenannte Weltmotor. Solche Aggregate sind unter anderem auch in den Autos der WTCC verbaut.

VW Motorsport Mechaniker Polo R WRC

Beim Testen vor der Rallye-Deutschland wurden einige neue Teile am Polo R WRC ausprobiert

Im VW Polo R WRC, von dem es übrigens eine 220 PS und auf 2500 Exemplare limitierte starke Straßenversion gibt, haben die Fahrer einen 315 PS starken Motor mit 425 Newtonmetern Drehmoment zur Verfügung. Allein die Entwicklung des Triebwerkes hat etwa eineinhalb Jahre gedauert. Am Gesamtprojekt waren hauptsächlich Ogier, Dieter Depping und Carlos Sainz beteiligt. Der Preis für den Polo R WRC liegt bei zirka 350.000 Euro, wobei ich nicht weiß, ob und wann VW solche Autos als Kundensportfahrzeuge verkaufen will.

VW Motorsport Camp WRC Test 2013 Rallye Deutschland

Ein Hauch von Ferienlager: VW Motorsport baute seine Zelte in der Nähe von Trier auf

Das gesamte WRC-Projekt soll vorerst drei Jahre dauern, wobei VW ursprünglich den Titel erst im letzten Jahr anpeilen wollte. Tja da war VW Motorsport wohl etwas zu bescheiden, wobei abzusehen war, dass das Team sehr gut vorbereitet in die 2013er-Saison startet. Bereits im vergangenen Jahr übte es die Abläufe in der WRC mit einem Skoda Fabia. 

Sébastien Ogier VW Polo R WRC

Sébastien Ogier nahm sich sogar aus dem Auto Zeit für seine Fans

Und auch jetzt sieht es gut für Sébastien Ogier und seinen Polo: Am Donnerstagabend sicherte er sich mit rund zehn Sekunden Vorsprung die Führung vor seinem Teamgefährten Latvala. Ich drücke Ogier die Daumen, weil der Franzose bei den Testfahrten sehr natürlich und bodenständig auftrat. Die wenigen Fans, die das VW-Zeltlager entdeckt hatten, ließ er sogar bis an das Auto herankommen und gab aus dem Fahrzeug heraus Autogramme. Talent scheint er darüber hinaus auch noch zu haben :)

Noch eine Info, die mir nicht bekannt war: Da die Rallye-Boliden straßenzugelassen sein müssen, brauchen Sie Kennzeichen. Aber da beim Rennwagen die Nummernschilder nur aufgeklebt sind, liegen die Blechschilder im Kofferraum des Autos. Falls die Polizei den WRC-Boliden anhalten sollte, muss nämlich alles seine Ordnung haben! :)

Außerdem habe ich noch ein kurzes Video gedreht wie Ogier gerade zum Testen startet und wieder zurück in das Camp kommt. Leider ohne Actionszenen, aber dafür etwas Motorenblubbern des 1,6-Liter-Turbos.

Technische Daten VW Polo WRC:

Motor
Bauweise Reihen-Vierzylinder-Motor mit Abgasturbolader und Ladeluftkühlung, quer vor der Vorderachse angeordnet
Hubraum 1.600 cm3
Leistung 232 kW (315 PS) bei 6.250 1/min
Drehmoment 425 Nm bei 5.000 1/min
Bohrung / Hub 83,0 mm / 73,8 mm
Luftmengenbegrenzer 33 mm (FIA-Reglement)
Motormanagement Bosch
Kraftübertragung
Getriebe Sequenzielles Sechsgang-Renngetriebe, quer angeordnet
Achsantrieb Permanenter Allradantrieb mit starrem Durchtrieb zwischen Vorder- und Hinterachse, Lamellensperrdifferenziale an Vorder- und Hinterachse
Kupplung Hydraulisch betätigte Zweischeiben-Sintermetall-Kupplung von ZF
Fahrwerk
Vorder-/Hinterachse McPherson-Federbeine, Dämpfer von ZF
Federweg ca. 180 mm bei Asphalt, ca. 275 mm bei Schotter
Lenkung Zahnstangenlenkung mit Servo-Unterstützung
Bremsanlage Rundum innenbelüftete Scheibenbremsen (Durchmesser 355 mm bei Asphalt vorn
Felgen Größe 8 x 18 Zoll für Asphalt, 7 x 15 Zoll für Schotter
Reifen Wettbewerbsreifen von Michelin
Chassis/Karosserie
Aufbau Nach FIA-Reglement verstärkte Serien-Stahlkarosserie
Maße und Gewicht
Länge / Breite / Höhe 3.976 / 1.820 / 1.356 mm
Spurweite 1.610 mm
Radstand 2.480 mm
Mindestgewicht 1.200 kg
Fahrleistungen
Beschleunigung 0 – 100 km/h in ca. 3,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit Bis ca. 200 km/h (je nach Getriebe-Übersetzung)

 

Dieser Beitrag wurde unter Im Fahrerlager, Video abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>